Arnold Preuß

Moin, Moin!
 

Aktuelles

LOVE LETTERS meine 100ste Rolle

Angefangen hat meine Theaterleidenschaft schon vor der langjährigen Mitgliedschaft im Theater am Meer, nämlich in der Schultheater AG, in der ich 1964 bis 1966 drei große Rollen in den Stücken „Iwanow weiß sich zu helfen“, „Bruder Lang und Bruder Kurz“ und „Das kommt vor spricht Theodor!´“ spielen durfte.  

Im Jahre 1971 bin ich dann zur Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven (dem heuigen Theater am Meer) gekommen. Meine erste Rolle war die des Reedersohns Paul Anderson. Ihn spielte ich im September 1973 in „Överraschung an’n Avend“ (Regie: Gerhart Erfurt). Die meisten meiner Rollen habe ich dann als Ensemblemitglied am TaM gespielt. Einen Riesenerfolg hatte ich1980 mit der Rolle des Peter in „Wat is mit Lisa?“. Das Stück wurde mehrfach vor ausverkauftem Haus, dem damals noch nicht umgebauten Stadttheater, gespielt. Ich erinnere mich gerne an die übersetzten Klassikerrollen, die ich spielen durfte, so wie 1986 den „Liliom“ im gleichnamigen Stück in der Regie von Harald Dornseiff oder den „Matti“ in Brechts „De Herr Puntila un sien Knecht Matti“ in der Regie von Georg Immelmann.  






Arnold Preuß als Andy Makepeace Ladd III in "Love Letters" - Theater am Meer 2020/21

1992 durfte ich den niederdeutschen Trüffaldino von Goldoni in „De plietsche Tüffelhannes“ in der Regie von Rudolf Plent spielen. Der gleiche Regisseur inszenierte 2003 „Dat Schörengericht“, wo ich   den Dorfrichter Adam spielte. Viel Spaß hatte ich 2010 mit dem Solostück „Alleen in der Sauna“, was ich in hoch- und plattdeutsch auf den Brettern des Kleinen Schauspielhaues in der Kieler Straße in der Rege von Ulf Goerges spielen durfte. Der gleiche Regisseur hat auch „Wer hett Angst vör Virginia Woof“ inszeniert, was wir 2019 im Theater am Meer spielten und wo ich die Rolle des Schorsch spielte. 

Viel Spaß haben mir die verschiedenen Rollen gemacht, die ich in den Musicals von Marion Zomerland spielen durfte, wie im „Meer-Hotel“, im „Lüttstadtrevier“ oder zuletzt in „Ik mutt gar nix“. Ebenso denke ich besonders gerne an die Zwei-Personen-Stücke, die ich jeweils mit Marion Zomerland spielen durfte, das waren „Misery“ (2003), „De besten Daag in mien Läven“ (2012), „Lüttje Eheverbreken“ (2016) und jetzt aktuell die szenische Lesung „Love Letters“. 

In meinen 10 Landesbühnenjahren habe ich 1994 den Dr. Bird in „Die Caine war ihr Schicksal“ (Regie Thierry Bruehl), 1995 den Alt in „Krankheit der Jugend“ (Regie Herbert Adamec), 1996 den Marc Thyl in „Ein Winter unterm Tisch“ (Regie Jegor Vysotsky) gespielt. Im Sommer 1996 habe ich am Rosenhügel sowie in der Indoorfassung 1997 den Artus und andere Rollen in „Merlin oder das weite Land“ (Regie Donald Berkenhoff) gespielt. 

Bei den Freilichttheaterspielen in Dornum spielte ich 1990 den Burgdrost Theilen in „Quade Foelke“. In Westerstede spielte ich 2001 den Faust in „Dat Speel vun Doktor Faustus“ und 2003 den Oberon im „Sommernachtstraum“. Regie führte jeweils Rudolf Plent. Auf der Freilichtbühne von Dangast spielte ich 2005 den Deichinspektor Garlichs im Stück „Der Deicher“ von Armin Tacke, der auch gleichzeitig Regie führte. 

Wenn man mich fragt, welches denn meine Lieblingsrolle war bzw. welche Rolle ich denn noch gerne spielen möchte, kann ich nur sagen, die Rolle, die ich aktuell probiere oder spiele, das ist meine Lieblingsrolle. Es kommt nicht darauf an, was man spielt, sondern wie der Charakter ist, den man sich erarbeiten muss. Egal ob die Rolle groß oder klein, hoch- oder niederdeutsch ist. Was zählt ist der Charakter, den man spielt. Er muss erfühlt und erlebt werden. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue. 


JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 19. Oktober 2020

Eine Frau, ein Mann und ihre Liebesbriefe

BÜHNE Viel Applaus für ungewöhnliche Aufführung: Premiere der szenischen Lesung „Love Letters“ im Theater am Meer


Arnold Preuß und Marion Zomerland haben das Publikum mit der szenischen Lesung beeindruckt. BILD: DIETMAR BÖKHAUS

WILHELMSHAVEN/BOE - Ein Kopfkino der besonderen Art erlebten die Zuschauer in der Premiere von „Love Letters“ im Theater am Meer in Wilhelmshaven. Denn als sich dort am Freitag der Vorhang gehoben hat, haben Marion Zomerland und Arnold Preuß eine szenische Lesung in Hochdeutsch von Albert Ramsdell Gurney präsentiert (in der deutschen Fassung von Inge Greiffenhagen und Daniel Karasek).

" Erzählt wird die Geschichte einer großen Liebe, der Aufstieg und der Niedergang zweier Menschen

Marion Zomerland und Arnold Preuß haben damit die Figuren Melissa Gardner und Andy Makepeace Ladd III zum Leben erweckt, die ihre Erlebnisse, ihre Gedanken und ihre Visionen als Brieffreunde wiedergeben. Eine Frau, ein Mann und ihre Liebesbriefe - das reicht aus, um eine launische faszinierende Geschichte auf die Bühnenbretter zu bringen. Es sind Liebesbriefe, die das Leben zweier Menschen in guten wie in schlechten Tagen, nachdenklich und geistreich skizzieren. Die Spur der Briefe reicht von den ersten Zettelchen, die sie sich unter der Schulbank zustecken, bis in die Zeit der Telefone und Anrufbeantworter. Aber Nachrichten übers Telefon austauschen ist nicht so das Ding von Andy, der will lieber Briefe schreiben. „Das bin ich und das ist so romantisch und bleibt geheim”, schreibt Andy.

Erzählt wird die Geschichte einer großen Liebe, der Aufstieg und der Niedergang zweier Menschen. Er kommt aus nicht ganz so reichen Verhältnissen und sie aus einem wohlhabenden Elternhaus. Das Publikum erhält Einblicke in das familiäre und auch berufliche Leben der beiden. Das Gefühlswirrwarr von Melissa lässt den Zuschauer zeitweise den Atem stocken. Die junge Frau liebt Andy, will sich unbedingt mit ihm treffen. Im Verlauf des Stückes erfährt Andy, dass sie immer wieder mal geheiratet hat, dass sie einige Affären hatte und dem Alkohol zugeneigt ist - und dass sie ihre Kinder nicht sehen darf. Sie berichtet ihm von Alkoholproblemen ihrer Mutter und von einem Stiefvater, der sie begrapscht.

Sie sinkt immer weiter ab, während Andy die Karriereleiter emporklettert. Kann und will er ihre Liebe erwidern, wird er sie treffen? Die Zuseher werden auf eine humorvolle, aber auch nachdenkliche Reise mitgenommen - von zwei Schauspielern,  die ihr Handwerk verstehen. Die Berufsregisseurin Elke Münch hat diesen hervorragenden, aus den späten 1980er-Jahren stammenden Klassiker gekonnt auf die Bühne gebracht. Eigentlich passiert fast nichts, und trotzdem ist das Stück reich an Handlungen, die sich zwischen den Briefzeilen und in den Köpfen der Zuschauer abspielen.

Das Publikum wird durch das Vorlesen der Briefe zum Mitwisser eines aufstrebenden Mannes und einer Frau, deren Leben einer Achterbahnfahrt gleicht. Zum Teil leidenschaftliche, aber auch traurige und dann wieder lustige Episoden werden vorgetragen. Mit unschuldigem Augenaufschlag und losem Mundwerk überzeugt Marion Zomerland als Melissa in diesem Stück wie auch Arnold Preuß, der als Andy seine Erlebnisse und Gedanken mitteilt. Er will seinem Vater alles recht machen, strotzt später als übermütiger Teenager in Ruderbooten und macht dann Karriere in der Navy, dann als Jurist und später als Politiker.

Sie berichtet ihm von ihren ersten Erfolgen als Malerin, träumt von einer Karriere in Italien und berichtet von persönlichen Enttäuschungen und neuen Hoffnungen. Sie ist voller Übermut und hangelt sich später von einem Alkohol-Entzug zum nächsten. Melissa will Andy unbedingt treffen, fleht ihn in ihren Briefen an! Gibt es ein Happy End?

Die Dramaturgie dieses Stückes riss bei der Premiere die Zuschauer mit, die sich trotz — oder vielleicht gerade wegen dieser ungewöhnlichen Theaterform tief beeindruckt zeigten und mit Applaus nicht geizten.

Weitere Vorstellungen:  20. und 22. Oktober, 19. und 20. November, 12. Februar,  2. März, 14. April und 5. Mai jeweils 20 Uhr sowie am 10. Januar um 16.30 Uhr. Karten: @ theater-am-meer@ewetel.net 

WILHELMSHAVENER ZEITUNG, 19. Oktober 2020

(Titelseite) Großen Applaus gab es für die Premiere des Stückes "Love Letters" im Theater am Meer. Für Bühnenleiter Arnold Preuß gab es noch etwas anderes zu feiern. (siehe Seite 6)

Von einem Band, das niemals reißt

KULTUR „Love Letters“ feiert Premiere im „Theater am Meer“ - Warum das Stück ganz besonders ist

VON WOLFGANG A. NIEMANN

 

Arnold Preuß und Marion Zomerland begeisterten das Publikum. Für Preuß war es die 100. Rolle als Schauspieler. - FOTO: Theater am Meer, Bökhaus

WILHELMSHAVEN - Riesenapplaus gab es für die jüngste Premiere im „Theater am Meer“, obwohl diesmal mit „Love Letters“ von Albert Ramsdell Gurneys ein hochdeutsches Stück das coronabedingt reduzierte Publikum begeisterte. Dabei ist das gut 30 Jahre alte Stück ohnehin etwas Besonderes, denn mit Melissa Gardner und Andy Makepeace Ladd III. hat es nur zwei Akteure. Und es „passiert“ eigentlich nicht wirklich etwas auf der sehr schlicht gestalteten Bühne, denn die Beiden verlesen nur die unzähligen Zettel und Briefe, die sie einander über mehr als 50 Jahre geschrieben haben. 

Umso größer war die Herausforderung für Marion Zomerland und Arnold Preuß unter der Regie von Elke Münch, Spannung und ein Ganzes zu erzeugen. Zumal die ersten kleinen Briefchen noch zwischen den Grundschülern hin-und hergingen. Durch den einleitenden Pat Boone-Hit „Love Letters in the Sand“ von 1957 konnte man die Zeit verorten und bald sind es die typischen Granteleien Jugendlicher, mit denen sie einander ihren Ärger über Eltern und dergleichen berichten.

Melissa kommt aus einer reichen, aber ziemlich kaputten Familie, während Andys wohlbetuchte Eitern ihn offenbar sehr konservativ erziehen. Obwohl sie so überaus verschieden sind, verstehen sie sich unterschwellig - meist - sehr gut. Es sind schließlich typische Teenager-Querelen, die Andy dann erst einmal verschnupft eine Pause mit dem Schreiben machen. lassen, denn Melissa hat offenbar mit jemand anderem geknutscht.

Er studiert brav und bestätigt Melissas Vorwurf, dass er „wohl manchmal ein richtiger Spießer“ sei, wogegen sie nicht zuletzt dank ihrer kaputten Familie von der Klosterschülerin zur rebellischen Künstlerin mit brüchigen Beziehungen und zwei Kindern aufsteigt, die ihr der geschiedene Vater vorenthält.

Mit subtilem Spiel entwickeln sich die Beiden in dieser immer überzeugenderen Fernverbindung auseinander, ohne sich je ganz aus den Augen zu verlieren. Andy heiratet, wird Familienvater und macht als konservativer Politiker Karriere bis zum Senator. Melissas Privatleben ist dagegen chaotisch und sie stellt in ihrer sarkastischen Art fest, dass sie schon wieder Probleme "mit zu viel Feuerwasser” habe. 

Über Jahrzehnte reißt das Band nie ab, doch es sei hier nur noch verraten, dass es den einen flüchtigen Moment gemeinsamen Glücks zu einem viel zu späten Zeitpunkt tatsächlich noch gibt. Aber kein Happy End. Und auch das berührt mit der schlichten Szene, in der Andy in einem letzten Brief an Melissas Mutter bekennt, dass er sie seit damals in der 2. Klasse geliebt habe und sie das Herz seines Lebens gewesen sei.

Das Alles wurde so einfach und zugleich lebensnah erzählt und mit sparsamen Gesten unterstreichen, dass es einen ganz Film im Kopf der Zuschauer ablaufen ließ. Für ihre Leistungen erhielten die Akteure zum Schluss ganz großen Applaus, doch es gab auch noch einen Sonderbeifall für Arnold. Preuß. Die stellvertretende Theatervorsitzende Claudia Ducci gratulierte dem 69-Jährigen nämlich zu seiner Darstellung des Andy Makepeace Ladd III. als dessen mittlerweile 100. Rolle als Schauspieler.

Die nächsten Aufführungen von „Love Letters“ sind am Dienstag, 20. Oktober und am Donnerstag, 22. Oktober, und Freitag, der 20. November, jeweils um 20 Uhr im Theater am Meer, Kieler Straße 63.


Wilhelmshavener Zeitung vom 4. Juli 2020

Wilhelmshaven meine Lieblingsstadt

Arnold Preuß, ehemaliger Pressesprecher der Stadt und Leiter des Theaters am Meer: 

"Ob Wilhelmshaven meine Lieblingsstadt ist? Ein eindeutiges kräftiges „Ja“! Geboren und aufgewachsen in Voslapp hinterm Deich, wo jeder Siedler sein Haus mit wunderbaren Nutzgärten umgab, der zum großen Teil dafür sorgte, dass frisches Obst und Gemüse den Speiseplan bereicherten. Grün war die vorherrschende Farbe, viel Rasen, hohe Obstbäume und das Deichvorland, was mit Prielen durchzogen war. Wattwanderungen zum alten Voslapper Leuchtturm. Nie enden wollende Sommer am Geniusstrand, tiefe Winter mit reichlich Schnee sind bleibende herrliche Kindheits-Erinnerungen, die mich von Anfang als großen Wilhelmshaven-Fan geprägt haben.

Diese Mischung aus idyllischen Garten- und Grünanlagen und der raue Wind und das schäumende Wasser, sind für mich das, was Wilhelmshaven so besonders macht. Auch heute noch zieht es mich in unsere Park- und Grünanlagen, besuche gerne das Rosarium und neuerdings auch wieder den Botanischen Garten. Ein besonders magischer und geschichtsträchtiger Ort ist der Deichabschnitt beginnend bei der Nassau-Brücke bis zum Molen-Feuer an der ehemaligen dritten Einfahrt.

Naja, und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht sagen würde, dass mein absoluter Lieblingsort in Wilhelmshaven das Theater am Meer in der Kieler Straße ist."

Wilhelmshavener Zeitung vom 11. Oktober 2019

Ich bin ein hoffnungsloser Optimist

KULTUR Leiter des Theaters am Meer, Arnold Preuß, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft















Arnold Preuß ist Leiter des Theaters am Meer, Vorsitzender und Präsident des Bühnenbundes - WZ-Foto: LÜBBE

Der Standort des Theaters in der Kieler Straße feiert diese Spielzeit Jubiläum. Preuß verrät, ob die plattdeutsche Sprache seiner Meinung nach noch eine Zukunft hat.

VON JULIANE MINOW

WZ: Herr Preuß, seit wann gibt es das Theater am Meer in Wilhelmshaven?

ARNOLD PREUß: Genau seit dem 28. September 1932.

WZ: Wie und warum ist es entstanden?

PREUß: Aus dem Heimatverein ,,Die Boje". Damals wurde ein Seebade-, ein Heirnat- und ein Verkehrsverein gegründet. Aus dem Teil des Heimatvereins, der sich später ,,Die Boje" nannte, haben sich die Plattdeutsch-Spielen-Wollenden verabschiedet, um die Niederdeutsche Bühne ,,Rüstringen" zu gründen. Und: Das Ganze war eine überregionale Beweguug im gesamten norddeutschen Bereich. Die moisten Niederdeutschen Bühnen wurden in den l920er Jahren aus dem Bedürfnis heraus gegründet, einen Gegenpol zum ständischen, hochdeutschen Thealer zu schaffen. Die Bevölkerung hatte teilweise Probleme, die Stücke zu verstehen und wollte Theater in ihrer Sprache.

WZ: Woher kommt das Vorurteil, dass Niederdeutsche Bühnen eher Unterhaltungstheater als ernstes Theater bieten?

PREUß: Tatsächlich war es so, dass das Theater am Meer in Wilhelmshaven schon früh mehr ernstes Theater als Unterhaltungstheater gespielt hat. Grundsätzlich aber kommt das daher, dass andere Bühnen aus profitableren Gründen eher unterhaltende Stücke gespielt haben und sie ungefähr ab den 50er ]ahren auch im Fernsehen übertragen wurden. Da ging es eben auch schon um Einschaltquoten. Aber letztlich ist Niederdeutsch nur eine Sprache, mit der man alles machen kann - ernst und humorvoll.

WZ: Wie ist es nach der Gründung mit dem Theater am Meer weitergegangen? Was ist im Nationalsozialismus passiert?

PREUß: Das Theater war schon in den ersten Jahren ziemlich erfolgreich und hat mit seinen Freilichtaufführungen teilweise 35.000 Menschen erreicht. 1939 wurde der Betrieb eingestellt. Nach dem Krieg, ungefähr 48/49, setzten sich die einstigen Gründer dafür ein, dass das Theater wieder auflebt.

WZ: Wo war das TaM damals räumlich angesiedelt?

PREUß: 1952 wurde das Stadttheater eingeweiht. Da hat der Kulturdezernent sich dafür eingesetzt, , dass dort das gesamte kulturelle Spektorum spielen darf, also nicht nur die Landesbühne, sondern auch das Niederdeutsche Theater. Dort haben wir bnis 2010 gespielt und sind dann in die jetzigen Räume an die Kieler Straße gezogen. Ich war damals mit einer anderen Kollegin, Marion Zomerland, zusammen in der Bühnenleitung und habe mich an dieses Gebäude erinnert. Am Anfang konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, dass man hier Theater machen kann. Gemeinsam haben wir das dann aber so hergerichtet, das wir heutzutage hier alles haben, was ein Theater braucht. Das war ein großes Gemeinschaftswerkt aller knapp 90 ehrenamtlichen Mitglieder.

WZ: Wie sind Sie denn zum Theater am Meer gekommen?

PREUß: Wie so Vieles in meinem Leben durch Zufall. Ich habe in der Schule Theater gespielt, das hat bei mir die Leidenschaft geweckt. Als ich Azubi bei der Stadt war, habe ich einer Kollegin erzählt, dass ich gerne wieder Theater spielen würde, weil mir wieder eingefallen war, wie viel Spaß mir das mal gemacht hat. Da sagte sie: Meine Mutter ist bei der Niederdeutschen Bühne, komm doch mal vorbei. Das war Anfang der 70er Jahre. Das erste Mal habe ich 1972 gespielt.

WZ: Und seitdem sind Sie nicht nur dabei geblieben, sondern mittlerweile auch künstlerischer Leiter des Theaters am Meer und Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins. Das heißt doch, dass es so schlecht nicht sein kann, oder?

PREUß: Nein, im Gegenteil. Es macht immer noch wahnsinnig viel Spaß. Ich habe bei der Niederdeutschen Bühne unglaublich viel gelernt und bin sehr froh, dass alles so gekommen ist.

WZ: Warum glauben Sie, dass Niederdeutsches Theater gerade heutzutage wichtig ist?

PREUß: Weil ich ein hoffnungsloser Optimist bin. Als ich beim Theater am Meer anfing, haben mir die älteren Schauspieler gesagt: In ein paar Jahren gibt es Plattdeutsch sowieso nicht mehr. Das ist einige Zeit her und bislang ist dieser Fall nicht eingetreten, im Gegenteil: Ich habe eher das Gefühl, dass die Sprache heutzutage mehr denn je gefördert wird – in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen. Wir merken auch, dass wieder viele junge Leute zu uns ans Theater am Meer kommen. Es ist toll, mit welcher Begeisterung sie dabei sind. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Niederdeutsch auch in Zukunft Bestand hat.

WZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

PREUß: Aktuelle Überlegungen sind, ob wir ein Angebot im Sommer schaffen, um auch den Touristen in der Stadt etwas zu bieten – vielleicht sogar Freilichttheater, was es hier lange nicht gegegen hat. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass ich in nächster Zeit eine Nachfolge finde. Ich bin zwar jetzt Pensionär und habe mehr Zeit, aber ich merke, dass es gut wäre, wenn ich wüsste, wie es in drei, vier, fünf Jahren weitergeht – auch wenn ich weiterhin für das Theater am Meer da bin. Vielleicht nach dem 90. Theater-Geburtstag, der 2022 ansteht, wäre ich bereit, etwas kürzer zu treten.

Über mich: Biografisches soll ich erzählen ..?

Nun ja, ich bin Arnold Preuß, geboren in Wilhelmshaven und lebe ich auch heute noch [zunehmend gern!] in der grünen Nordseestadt hinter dem schützenden Deich am Meer.

Theater am Meer

Seit fast 50 Jahren (genau seit 1972) spiele und inszeniere ich als Mitglied des "Theater am Meer - Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven" Theaterstücke in Niederdeutscher Sprache. Dabei habe ich es auf fast 100 gespielte Rollen und 60 Inszenierungen gebracht. Gelegentlich gastiere ich auch gelegentlich dort, wo es eine interessante Rolle (auch hochdeutsche) zu spielen oder ein faszinierendes Stück zu inszenieren gibt.

Übersetzer

Zum Übersetzen hat mich meine Tätigkeit als Leiter des Theaters am Meer gebracht. Die Palette an original in Niederdeutscher Sprache geschriebenen Stücken hat mir nicht mehr ausgereicht. Ich wollte den Spielplan unseres Theaters um Themen, Typen und Texte aus anderen Sprachräumen ergänzen. So fing ich mit einer Übersetzung von Brecht an. Das machte mir so viel Spaß, dass auch Werke von Gogol, Moliere, Hebbel und Goldoni den Weg auf die niederdeutsche Theaterbühne fanden. Später kamen noch Übersetzungen von Stücke aus dem vorwiegend englischsprachigen Raum dazu, weil mir als Regisseur der englische, schwarze Humor besonders gut gefällt und wie man an Aufführungszahlen ablesen kann, dem niederdeutschen Publikum offensichtlich auch. Mitlerweile habe ich rund 60 Theaterstücke in die Niederdeutsche Sprache übersetzt.

Seminare + Sprecher

Seit einigen Jahren werde ich auch als Seminarreferent für das breite Spektrum des Theaterspielens angefordert. Neuerdings bin ich auch als Sprecher tätig.

Landesbühne Niedersachsen Nord

Von 1987 an war ich Verwaltungsdirektor später dann kaufmännischer Geschäftsführer der Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven. Von 1996 bis 1998 war ich in Personalunion zugleich auch interimistisch der künstlerische Geschäftsführer, der die Aufgaben des Intendanten mit übernahm. In meiner Zeit an der Landesbühne war er auch Mitglied im Ensemble und spielte in Wilhelmshaven und im Spielgebiet einige Rollen unter nahmhaften Regisseuren wie Herbert Adamec, Thierry Bruehl, Jegor Wyssozki und Donald Berkenhoff. Bei diesen Kollegen habe ich künstlerisch eine Menge lernen.

Heute bin ich wieder mit großer Liebe, Lust und Leidenschaft an "meinem" Theater am Meer.

 
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